BIOSKOP
Die Zeitschrift zur Beobachtung der Biowissenschaften

Nr. 10   (Juni 2000)
BIOSKOP-Schwerpunkt
Genetische Reihenuntersuchungen
Ein kleiner Chip soll der Cambridger Firma Genostic Pharma das große Geld bringen: Sie hat ein Patent für einen DNA-Chip beantragt, mit dem Menschen gleichzeitig auf Veranlagungen für 16 verschiedene Krankheitsbilder und Verhaltensweisen getestet werden können sollen. "Nicht zu übersehen ist", warnt der Homburger Humangenetiker Wolfram Henn, "dass der DNA-Chip ideale technische Voraussetzungen für die Etablierung breit angelegter genetischer Screeningprogramme bietet."  Im Hintergrund solcher Szenarien stehen Kosten-Nutzen-Analysen, die längst angestellt werden und "Lebenszeitkosten" behinderter Menschen berechnen – und diese Kosten den Kosten für Gentests, Entbindungen und Abtreibungen gegenüber stellen.
BIOSKOP berichtet über DNA-Chip-Phantasien und blickt in Kalkulationen von Gesundheitsökonomen. Und BIOSKOP informiert über eine wissenschaftliche Veranstaltung, die vorerst nicht stattfand – Titel: "Kriminalität in den Genen".
Organtransplantationen

Richtlinien sollen "gerechte" Verteilung
von Körperstücken plausibel machen
Nach langen, internen Beratungen hat die Bundesärztekammer (BÄK) acht Richtlinien zur Organallokation veröffentlicht. Die neuen Regeln, die voraussichtlich noch vor der politischen Sommerpause in Kraft treten werden, sollen ermöglichen, was angesichts des behaupteten "Organmangels" praktisch unmöglich ist: dass Nieren, Lebern, Herzen, Lungen und Bauchspeicheldrüsen "hirntoter" Menschen hierzulande künftig "gerecht" verteilt werden. 
BIOSKOP hat die Richtlinien unter die Lupe genommen, Ergebnis: Die propagierte Gleichbehandlung aller PatientInnen bleibt eine Illusion. 

Reproduktionsmedizin
Projekt "Fortpflanzungsmedizingesetz" –
ein Vorhaben voller guter Absichten?
Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet an einem neuen Gesetz zur "Fortpflanzungsmedizin". Das Terrain für neue Regelungen wurde Ende Mai sondiert – im Rahmen eines groß angelegten Symposiums in Berlin. Die Debatte machte deutlich: Das deutsche  Embryonenschutzgesetz, das im internationalen Vergleich als streng gilt, soll abgelöst werden; finanziell  lukrative Aktivitäten wie Präimplantationsdiagnostik, Eizellspende und die Forschung mit embryonalen Stammzellen sollen MedizinerInnen und KonsumentInnen hierzulande künftig ermöglicht werden. Zwar beabsichtigt die Politik, so die offizielle Darstellung, "Grenzen zu setzen". Doch ob sie dies wirklich will, ist fraglich.
BIOSKOP beleuchtet typische Argumentationsfiguren der biomedizinischen Lobby und wundert sich über manches Argument der in Berlin versammelten KritikerInnen. Als Zugabe bietet BIOSKOP einen eigenen Diskussionsbeitrag: den neuen Denkzettel "Der frauenlose Embryo".

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